Tasso’s Gemach
Marie Eugenie Delle Grazie · 1864–1931
26 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1892
San Onofrio.
1. Tasso’s Gemach.
Im letzten Abendschimmer,Wie kahl und öd’ dein Zimmer:Nach einem SonnentraumEin nackter Zellenraum!
Dein Krucifix, das bleiche,Die Mask’ von deiner Leiche,Der Stuhl, in dem du starbstUnd endlich Ruh’ erwarbst,
Sonst nichts; doch dir zu FüßenMit ihren PalmengrüßenDie Stadt der Christenheit,Die dir den Kranz geweiht!
Wenn deines Weh’s GespensterDich hetzten, sprach dies Fenster:„Sieh deines Ruhmes Dom –Jerusalem und Rom!“
Ferrara’s schnöde Bande,Dein Weh und deine Schande,Sie wurden oft zu nicht’,Vor dieses Trostes Licht!
In Christi Wunden tauchteDein Lied, dein Herzblut rauchteFür ihn, drum zog er dichVom Kreuz empor zu sich!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Italische Vignetten, S. 35, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Tasso’s Gemach“, Fassung 3.577.996 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.
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