Seine Gruft
Marie Eugenie Delle Grazie · 1864–1931
25 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1892
2. Seine Gruft.
Und abwärts schreit’ ich nun mit scheuem ZagenZur Klosterkirche, d’rin in Frieden ruhtO Tasso, was nach sturmbewegten TagenDer Tod uns ließ von deiner Qual und Gluth.
Vor meinen Blicken wächst mit hehrem PrangenDein Sarkophag empor mit Schwert und Schild,Und die mit dir den Weg zur Gruft gegangen,Sie nennt und weist uns treu des Künstlers Bild.
Rom’s Priester alle waren dein Geleite,Colonna und Corsini trugen dich,Mit Kränzen schritt die Jugend dir zur SeiteUnd Roma’s Lorbeerhelden neigten sich –
Ja, du warst groß! Und als dein Aug’ geschlossen,Dein Mund erstarrt, durchlaufen deine Bahn,Erkannten reuevoll Italia’s SprossenDein heilig’ Weh und was man dir gethan!
Vom Glorienschein des Ruhmes stolz umgeben,Um’s bleiche Haupt des Lorbeers ew’gen Kranz,Blickst du, wie anders nun, als einst im Leben,Herunter jetzt auf ihren Mummenschanz.
Kein Bettlerkleid deckt heute deine RippenWie damals, als der Wahnwitz dich entflammt,Zu einem Lächeln zwang man deine Lippen,Doch herber hat kein Lächeln noch verdammt! –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Italische Vignetten, S. 36, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Seine Gruft“, Fassung 589.695 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.
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