Pfingstgruß
Louise Otto-Peters · 1819–1895
36 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Da ist das heil’ge Pfingsten wieder!Des Lenzes und des Geistes GrußSenkt sich mit ihm zur Erde niederIm Sonnenglanz und Blütenkuß.
Halb wie der Maien leises ZitternIm hellen Morgensonnenstrahl,Halb wie ein dröhnendes GewitternErklingt der Andacht Pfingstchoral.
„O heil’ger Geist, dereinst gesendetZum Kampf der Jünger Schar zu weihn,Daß sie vom Niedern abgewendetDem Höchsten diene nur allein. –
O heil’ger Geist, komm zu uns allen,Die wir auch heute kampfbereitZum Ziele der Erlösung wallen,Von dem die Menschheit noch so weit.“
Sich Deinem Dienste recht ergebenHeißt: nur für Freiheit, Lieb’ und LichtDas Schwert des Geistes aufzuheben,Das blutlos selbst den Sieg erficht.
Doch thut es not dies Schwert zu schwingenGen Sclaventum und Haß und Nacht.Bis Volk um Volk aus ihren SchlingenZum selgen Freiheitstag erwacht.
Heil ist nur auf des Lichtes Bahnen,Nur sie zu wandeln Ehr und Ruhm,Drum wählt gehorsam seinem MahnenDes heil’gen Geistes Rittertum!
Laßt hoch und stolz sein Banner wehenMit frischem Maienlaub umkränzt,Bis wir es siegreich flattern sehenVon Geistesflammen überglänzt.
Bis alles Volk, selbst geistdurchdrungen,Vereint, erleuchtet, und befreitEin ew’ges Pfingsten sich errungen,Voll Lieb’ und Licht und Herrlichkeit.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 248-249, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Pfingstgruß“, Fassung 638.531 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.
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