Erschlagen ist Hafis. Wer ihn erschlagen
Georg Friedrich Daumer · 1800–1875
15 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1846
LXXVII.
Erschlagen ist Hafis. Wer ihn erschlagen,Das mußt du, Kind, dein schwarzes Auge fragen.
Der böse Mohr! Wie grimmig ist sein Eisen!Der Tod umröchelt ihn in tausend Lagen.
Ach hat der Vogel Edens eine Seele,Strebt nicht zu dir sein heißes Flügelschlagen? -
Nicht schrecke mich mit der Vernunft! Denn diese,Nichts hat sie hier zu schaffen und zu sagen.
Der Liebe Weg ist unbegrenzt, sie haltenSo kalte Schranken nicht und enge Hagen.
Barmherzigkeit - welch edle Tugendübung!Was hast du hier zu zaudern und zu zagen?
Du bist aus einem eignen Stoff gebildet;Dich rühren nicht Hafisens schöne Klagen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Hafis. Eine Sammlung persischer Gedichte: nebst poetischen Zugaben aus verschiedenen Völkern und Ländern. S. 45, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1846
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Erschlagen ist Hafis. Wer ihn erschlagen“, Fassung 580.670 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Friedrich Daumer starb 1875; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1945 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118678957 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.