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Versbuch

An August Peters

Louise Otto-Peters · 18191895

42 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1893

(Elfried von Taura.)

Dir.

Wie lag ich gern am BlütenhagVon Veilchenduft umflossen,Bei Lerchentriller, FinkenschlagUnd tausend jungen Sprossen.Wie lauscht ich da in FrühlingslustDen Düften und den Klängen,Wie ward das all’, mir kaum bewußtZu tönenden Gesängen.

Wie träumt ich von der Muse KußUnd gab mich ihr zu eigenUnd ließ der Lieder lauten Gruß,In alle Winde steigen!Wie schwor ich stolz, wie schwor ich kühn:Der Muse nur zu leben,Und meines Herzens lodernd Glühn,Ihr ungeteilt zu geben!

Wie sang ich trotzig in die WeltVom heil’gen Frauenrechte,Stand fest, auf mich allein gestellt,Im brausenden Gefechte.Wie arg verkannt’ ich wankte nicht,Ich blieb auf meiner Stelle.Erbleichte auch mein AngesichtDas Auge blieb doch helle.

Und sing ich jetzt, so sing ich Dir,Demütig mich Dir neigend,Die Lieb’ ist meines Liedes Zier,Zum Himmel jubelnd steigend.Und denk ich an den stolzen Eid:Der Muse nur zu leben –Noch stolzer ist die SeligkeitMich Dir zur Muse geben.

Und stolzer jetzt Dein Weib zu sein,Und Dich mit Lorbern schmückenAls wollten Andre mir sie weihn,Auf meine Locken drücken.Und wenn ein Zweig davon mir blieb,Den reich’ ich Dir mit Kosen,Du giebst dafür in Deiner Lieb’Mir Myrten ja und Rosen!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 195-196, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „An August Peters“, Fassung 636.733 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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