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Versbuch

Spanische Krankheit!

Kurt Tucholsky · 18901935

20 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Was schleicht durch alle kriegführenden Länder?Welches Ding schleift die infizierten Gewändervom Schützengraben zur Residenz?Wer hat es gesehn? Wer nennts? Wer erkennts?Schmerzen im Hals, Schmerzen im Ohr –die Sache kommt mir spanisch vor.

Aber wenn ichs genau betrachteund hübsch auf alle Symptome achte,bemerke ich es mit einem Mal:das ist nicht international.Und seh ich das ganze Krankenkorps:kommts mir gar nicht mehr spanisch vor.

Ein bißchen Gefieber, ein bißchen Beschwerden,Onkel Doktor sagt: „Morgen wirds besser werden!“Nachts im Dunkel Transpirieren,Herzangst, Schwindel und Phantasieren,mittags Erhitzen, abends Erkalten,morgen ist alles wieder beim Alten –Das ist keine Grippe, kein Frost, keine Phtisis –das ist eine deutsche politische Krisis.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 33, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Spanische Krankheit“, Fassung 3.779.658 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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