Im Bade
Kurt Tucholsky · 1890–1935
25 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 8. August 1919
Im Bade / Von Theobald Tiger
Die Welle bricht sich. Kann mans ihr verdenken?Es taucht ins Meer ein feister Menschensack:die Glieder badet dort, die ungelenken,Frau Zademack.
Im Bademantel tritt mit hastigen, schnellenBewegungen Herr Baccer aus der Tür.Neptun persönlich aus den tiefsten Wellensagt: „Ab dafür!“
Es rollt sich an das arme SeegestadeLu Lora, mit ’nem ganzen kleinen Stich.Und der Verehrer Chor spricht: „Schade, schade!Heut filmt se nich!“
Es rudert wie beim Sprechen mit den HändenHerr Moppelmann am deutschen Ostseekap.Er denkt beim Wogenspiel an Dividenden:Mal auf – mal ab!
Und der ist da und die. Von der Regierungschwimmt dort ein Mann – pomadig, faul und schlapp …Man bricht sich auch im Bade die Verziehrungnur ungern ab.
Und die ist da und der – in vollen Rudeln – –O lieber Gott! willst du mal freundlich sein?Dann laß mich schwimmen in den blauen Strudelnallein, allein –!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 48. Nummer 32. Seite 114, Rudolf Mosse, Berlin, 8. August 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Im Bade“, Fassung 1.174.965 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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