Immer
Kurt Tucholsky · 1890–1935
31 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 17. Februar 1930
Von Theobald Tiger
Zum Beispiel Sie, Herr Fairbanks, sind doch eine Nummer!Sie haben Ihren eigenen Ozeanund soviel Geld! und Glück … und niemals Kummer …und eine Frau so süß wie Marzipan.Doch manchmal, denk’ ich, nachts, wenn alles schweigt,ob Ihnen da die Traurigkeit nicht einen geigt:„Ja, immer Glück … das ist es eben …Den ganzen Tag?Das ganze Jahr?Das ganze Leben –?“
Zum Beispiel Sie, Herr Ehemann, sind zu beneiden:Sie haben eine Schönheitskönigin zur Frau.Vor Ihnen darf die Venus aus der Wanne steigen …wir sehn ihr Bild – Sie kennen sie genau.Denn so verteilt die Gaben das Geschick.Nach Jahren ist da was in ihrem Blick …So summsen Fliegen, die am Sirup kleben …Den ganzen Tag?Das ganze Jahr?Das ganze Leben –?
Mensch, sei nicht neidisch:Glück hat seinen Schimmer …Stehst du im Tal, vergiß nicht vor den Höhn:Das, was man einmal tut, ist schön. Doch was man immerzu tun genötigt ist, ist weniger schön.Brathuhn ist gut. Was aber tätst du tun,gibt man dir jeden Tag gebratenes Huhn?Na, siehst du. Sowas schätzt du auch daneben …:Sei helle!Lebe du dein eigenes Leben.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Simplicissimus Jahrgang 34, Nummer 47, Seite 576, Albert Langen, München, 17. Februar 1930
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Immer (Tucholsky)“, Fassung 1.175.163 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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