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Versbuch

Kino

Kurt Tucholsky · 18901935

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Wird Gustav, der Kommis, entlassen?Seit einer halben Stunde weiß ichs nicht …Die greise Mutter löffelt, was sie kriegt,aus dicken Untertassen.

Nun kommt der Chef! Mit schüttern Bartkotelettenund einem Mimenmund und uhrgeschmücktem Bauch …Dumpf buchstabiert das Publikum: „Nee – ü-ber – Ihnen – a-ber – auch… “Da gibt es nichts zu retten.

Hier stehen Mutter, Tochter, Hund und Chef und seine Leiche!Nun aber steigt auf einer Geige jählings himmelanein Lauf, der seinerseits im Baß begann …Die nächste Nummer: „Jacob auf der Eiche.“

Humor! Man lacht! Wes Auge blieb da trocken?!Die Hose – denken Sie – zer–hi–zerriß!Vergessen ist die Tränenkümmernisund jene Totenglocken …

Doch jetzt erblick ich einen Fürsten oben,der weiht mit seinem Helmbusch etwas ein –ja, sollt dies wirklich Herzog Albrecht sein?Und kurz und gut: Hier fühl ich mich erhoben!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 85, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Kino“, Fassung 3.779.921 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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