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Versbuch

Im Käfig

Kurt Tucholsky · 18901935

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Hinter den dicken Stäben meiner Idealelauf ich von einer Wand zur andern Wand.Da draußen gehen Kindermädchen, Generale,Frau Lederhändlerswitwe mit dem Herrn Amant …

Manchmal sieht einer her. Mit leeren Blicken:Ah so! ein Tiger – ja, das arme Tier …Dann sprechen sie von „Tantchen auch was schickenin Pergamentpapier“.

Ich möcht so gern hinaus. Ich streck und dehn mich –Die habens gut, mit ihrer großen Zeit!Sie sind gewiß nicht rein, und doch: ich sehn michnach der Gemeinsamkeit.

Der Tiger gähnt. Er käm so gern geloffen …Doch seines Käfigs Stäbe halten dicht.Und ließ der Wärter selbst die Türe offen:Man geht ja nicht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 88, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Im Käfig“, Fassung 3.790.908 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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