Gedanken und Erinnerungen
Kurt Tucholsky · 1890–1935
33 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 14. Februar 1919
Von Theobald Tiger
Da gibts zu jenem Bismarck-Werkeden dritten Band – er liegt versteckt –den Band, in dem in alter Stärkeder Alte manches aufgedeckt.Man will ihn jetzo publizieren.Vergangenes wird noch einmal jung.Und träumerisch führt uns spazierenErinnerung …
Hoch Schwarzrotgold! Und Achtundvierzig!Dann Olmütz, Petersburg und Wien.Etatsverweigerung – man wird sichmit Gott aus der Affaire ziehn.Konflikt? Die Volksvertreter reden.Der König zeigt die starke Hand.Dies alles malt – verworrene Fäden –der erste Band.
Und dann die alten Ruhmesblätter!Ein Bruderkrieg – Norddeutscher Bund.Am Rhein die schweren, schwarzen Wetter.Der Sieg. Versailles. Der Friede. Und –?Und dann? Kongreß. Die Dreibundsware.Im Innern schwelt sozialer Brand.So reicht bis zum Dreikaiserjahreder zweite Band.
Und was wird nun der dritte bringen?Wie einer still nach Hause zieht.Er wird von Hofkabalen singen,vom jungen Herrn das alte Lied.Und vier, fünf Menschen hielten offendes Reiches Schicksal in der Hand.Und das ist nun, wir wollens hoffen,der letzte Band.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 48. Nummer 7. Seite 22, Rudolf Mosse, Berlin, 14. Februar 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Gedanken und Erinnerungen“, Fassung 1.213.705 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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