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Versbuch

Gestoßener Seufzer

Kurt Tucholsky · 18901935

27 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 10. Februar 1931

Gestoßener Seufzer von Theobald Tiger

Kreuzt mir die Lustjacht in der Badewanne?Knirscht mir das Auto auf dem gelben Kies?Bräunt mir das Roßbüff in der Kupferpfanne?Blitzt mir am Hemd der Diamant-Türkis?Hin hauch ich einen Seufzer des Verzichts:ich brings zu nichts.

Ich weiß nicht, was das ist und wie ichs treibe …Ich spare manchen vordatierten Scheck.Und dann naht Lottchen mit dem Lotterleibe,und dann ist alles wieder weg.Infolge ihres Liebesunterrichts …Ich brings zu nichts.

Die andern häufen so Vermögen auf Vermögen.Die andern wandeln durch das Goldportal.Ich aber kann mir nichts nach hinten legen;ich hab noch nie – und möchte auch einmal.Der Reichtum ist der Lohn des Bösewichts.Ich brings zu nichts.

So lern doch endlich von den andern Knabendie einzig brauchbare Philosophie:Es g’nügt nicht nur, Verhältnisse zu haben –sie leben alle über sie.Trink aus der Nachbarin Champagnerglas!Bleib schuldig Miete, Liebe, Arzt und Gas!Bezahl den Apfel – friß die Ananas!Wer also handelt, bringts zu was.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Weltbühne. 27. Jahrgang 1931, Nummer 6, Seite 213., Verlag der Weltbühne, Berlin, 10. Februar 1931
Digitalisat
de.wikisource.org — „Gestoßener Seufzer“, Fassung 1.097.716 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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