Zum Inhalt springen
Versbuch

Gegen rechts und gegen links

Kurt Tucholsky · 18901935

25 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 21. März 1919

Von Theobald Tiger

Die ihr die Häuser und die Lädenausraubt und plündert und verdreckt,die ihr mit Handgranaten jeden,der grad passiert, aufs Pflaster streckt –Ihr wollt noch Freiheitskämpfer heißen,ihr schreit für andre nach Gericht?Dürft ihr die Herrschaft an euch reißen?Ihr nicht!

Und ihr, die feinen Herrn da drüben,ihr meine alten Freunde rechts,ihr fischt nun heute still im trübenund nutzt die Stürme des Gefechts.Wir haben es noch nicht vergessen,warum dem Land das Rückgrat bricht.Ihr wollt zu tadeln euch vermessen?Ihr nicht!

Und rechts und links die Terroristenund jeder, der Gewalt verehrt,die Reventlows, die Spartakisten,und wer von Unterdrückung zehrt –Ihr sollt nicht raten und nicht taten.Denn gegen jene Unterschicht,da helfen wahre Demokraten.Ihr nicht!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ulk Jahrgang 48. Nummer 11/12. Seite 38, Rudolf Mosse, Berlin, 21. März 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Gegen rechts und gegen links“, Fassung 1.006.792 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Kurt Tucholsky

Alle Gedichte von Kurt Tucholsky ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.