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Versbuch

Fridericus Rex

Kurt Tucholsky · 18901935

30 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 23. Februar 1922

Fridericus Rex von Theobald Tiger

Fridericus Rex, unser König und Herr,der rief uns noch einmal in das Kino daher.Zweitausend Meter lang ist der ganze Quark –und jeder Parkettplatz, der kostet sechzehn Mark.

„Ihr verfluchten Kerls!“ sprach Seine Majestät,„daß jeder hier im Kino seinen Mann mir steht!“Sie sitzen alle stramm und können nichts, dafürund freuen sich übern König und über Gebühr.

Wir sind doch eine alte Unteroffiziernation,und wir brauchen unsre Potsdorfer Prügeltradition.Kotz Mohren, Blitz und Kreuz-Element,wer den Tritt ins Gesäß bei der Ausbildung nicht kennt –!

Da fliegen hundert Beine im Parademarsch.Und das kitzelt unsre Schenkel, und das juckt uns im Gehirn.Die langen Kerls marschieren vorbei in zwei Reihn –Wir wollen, wir wollen geprügelt.sein!

Sieh hin, Lowise, wisch ab dein Gesicht!Eine jede Kugel, die trifft ja nicht!Die Kugeln sind alle von Eisen und Blei –und er kannte nur den Dolchstoß und keine Partei.

Fridericus tut fragend auf der Leinwand gehn.„Wo ist denn mein Nachfahr? – ich kann ihn gar nicht sehn.“Wie du fuhr nach Holland dein gutes Enkelkind,weil die Hohenzollern erblich belastet sind.

Fridericus, unser König, den der Lorbeerkranz ziert,du wirst für eine kolossale Pleite plakatiert.Dreh still dich im Grabe, verbirg dein Gesicht:Sie haben deinen Krückstock.Deinen Kopf haben sie nicht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Weltbühne. Jahrgang 18, Nummer 8, Seite 194, Verlag der Weltbühne, Berlin, 23. Februar 1922
Digitalisat
de.wikisource.org — „Fridericus Rex“, Fassung 3.780.638 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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