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Versbuch

Fröhliche Ostern!

Kurt Tucholsky · 18901935

28 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Da seht aufs neue dieses alte Wunder:Der Osterhase kakelt wie ein Huhnund fabriziert dort unter dem Holunderein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.

Und auch der Mensch reckt frohbewegt die Glieder –er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei …Ja, was errötet denn die Gattin wieder?Ei, ei, ei,ei, ei,ei!

Der fleißige Kaufherr aber packt die Wareins pappne Ei zum besseren Konsum:Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare,Die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.

Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.Man ruft beglückt, wenn sie’s gefunden haben:Ei, ei, ei,ei, ei,ei!

Und Hans und Lene steckens in die Jacke,das liebe Osterei – wen freut es nicht?Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke,und ohne jedes innre Gleichgewicht.

Die deutsche Politik … Was wollt ich sagen?Bei uns zu Lande ist das einerlei –und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen!Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 70, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Fröhliche Ostern!“, Fassung 3.790.727 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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