Fröhliche Ostern!
Kurt Tucholsky · 1890–1935
28 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 18. April 1919
Von Theobald Tiger
Ei, ei!In einer Reihlegen die fleißigen Hasenwohl auf den grünen Rasenhervorragend bunte Ostereier –denn der freie Handel wird stets freier,und so legt denn heuer das Hasensyndikatüber acht Stunden von früh bis abends spat.Wenn wir Menschen uns aber die Eier begucken:ja, was haben die Hasen nur diesmal für Mucken?Da steht „Räterepublik“ auf einem Ei geschrieben,das ist um und um mit brandroter Farbe eingerieben.Auf einem steht: „Uns Nationalen gehts zuzeit sehr mau!“Und dieses Ei ist mit Recht ganz und gar knallblau.Und auf einem ist zu lesen, daß so weiß wie dies Eiauch die Unschuld der Herren alldeutschen Kriegspolitiker sei.Und wieder auf einem steht groß und dick und kühn:„Deutschlands Zukunftshoffnung“ – und das ist grün.Und es sagte mir eines der kleinen Hasentierchen:„Dir und deinen lieben Deutschen zum Pläsierchentäte ich gern etwas gegen den innern Krieg –denn ich kleiner Hase, ich liebe die deutsche Politik!“Und ich sagte: „Herr Hase, meinetwegen!Also: dann müssen Sie Rühreier legen!“Na, finden Sie vielleicht was dabei?Allerseits: Fröhliche Ostern!Ei, ei! Ei, ei!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk. Jg. 48, Nr. 16 vom 18. April 1919, S. 54, Rudolf Mosse, Berlin, 18. April 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Fröhliche Ostern! (Ulk)“, Fassung 2.317.011 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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