Fragen an eine Arbeiterfrau
Kurt Tucholsky · 1890–1935
31 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1929
Bist du sein guter Kameradund stehst an seiner Seite –?Und bist du ihm auf jedem Pfadim Kampf mit diesem KlassenstaatGesellschaft und Geleite –?
Hat er die Frau, die ihn versteht?Ist euch ein Lied erklungen?Und weißt du auch, warum er spätnoch abends in Versammlung geht:für dich und deinen Jungen –?
Und ist dein Herz denn auch dabei?Seid ihr die richtige Zweiheit?Und machst nicht nur die Kocherei?und tust auch was für die Partei?Für Licht und Luft und Freiheit –?
Und hilfst du ihm auch für und fürim Wirken und im Schaffen?Und bildest du dich nach Gebühr?und stehst nicht an der Kirchentür?und hörst auf keinen Pfaffen –?
Und hältst du ihn auch nicht zurück,wenn rote Fahnen rufen –?Er kämpft für euer Lebensglück!Geh mit ein Stück! Geh mit ein Stück!Empor zu neuen Stufen –!
Du, Mutter, halt den Alten jung!es kann ihm gar nichts schaden.Du, Frau, trägst viel Verantwortung.
Und hoch ertönt im neuen Schwungdas Lied – das Liedvom guten Kameraden –!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Das Lächeln der Mona Lisa, S. 374-375, Rowohlt, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Fragen an eine Arbeiterfrau“, Fassung 1.175.103 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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