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Versbuch

Frauen von Freunden

Kurt Tucholsky · 18901935

23 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 21. Juli 1925

Frauen von Freunden von Theobald Tiger

Frauen von Freunden zerstören die Freundschaft.Schüchtern erst besetzen sie einen Teil des Freundes,nisten sich in ihm ein,warten,beobachten,und nehmen scheinbar Teil am Freundesbund.

Dies Stück des Freundes hat uns nie gehört –wir merken nichts.Aber bald ändert sich das:Sie besetzen einen Hausflügel nach dem andern,dringen tiefer ein,haben bald den ganzen Freund.

Der ist verändert; es ist, als schäme er sich seiner Freundschaft.So, wie er sich früher der Liebe vor uns geschämt hat,schämt er sich jetzt der Freundschaft vor ihr.Er gehört uns nicht mehr.Sie steht nicht zwischen uns – sie hat ihn weggezogen.

Er ist nicht mehr unser Freund:er ist ihr Mann.

Eine leise Verletzlichkeit bleibt übrig.Traurig blicken wir ihm nach.

Die im Bett behält immer recht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Weltbühne. 21. Jahrgang 1925, Nummer 29, Seite 103., Verlag der Weltbühne, Berlin, 21. Juli 1925
Digitalisat
de.wikisource.org — „Frauen von Freunden“, Fassung 1.097.645 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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