Flaggenlied
Kurt Tucholsky · 1890–1935
51 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 18. Mai 1926
Flaggenlied von Theobald TigerIn einer kleinen Eckeda ist dein Flaggenreich.Du wehst auf dem Verdeckewohl übern großen Teich.Du wehst am Steuerruderund in Amerika;du bist ein armes Luder,weißt nicht, wie dir geschah –Republik!Republik!Hast du das gewollt?Schwarz die Reichswehr.Weiß die Zelle.Rot die Schande.Kehre um!Kehre um!Zu Schwarz-Rot-Gold!
In Rio de Janeiroda steht ein Stammtisch rund.Dran sitzt der Caballeround schimpft dich auf den Hund.Und nun trägst du die Farben,die einen Krieg geschürt,die uns schon mal verdarbenund in den Tod geführt –Republik!Republik!Hast du das gewollt?Kehre um!Kehre um!Zu Schwarz-Rot-Gold!
Die Ihr bis jetzt geschlafen:seid Ihr nun endlich wach?In jedem großen Hafenbekommt Ihr eins aufs Dach.In jedem fernen Landeumflattert euch der Hohnund zeigt der Welt die Schandevon deutscher Reaktion –Republik!Republik!Hast du das gewollt?Schwarz die Reichswehr.Weiß die Zelle.Rot die Feme,Kehre um!Kehre um!Zu Schwarz-Rot-Gold!
P. S. Im übrigen ist das gar nicht so wichtig.Zum ersten Mal firmiert Ihr richtig –!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Weltbühne. Jahrgang 22, Nummer 20, Seite 773, Verlag der Weltbühne, Berlin, 18. Mai 1926
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Flaggenlied“, Fassung 999.631 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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