Also wat nu – ja oder ja?
Kurt Tucholsky · 1890–1935
29 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1. September 1931
Also wat nu – ja oder ja? von Theobald Tiger
Wie ick noch n kleena Junge wah,da hattn wa aufe Schuleeen Lehra, den nannten wa bloß: Papa,een jewissn Dokter Kuhle.Und frachte der wat, und der Schieler war dumm,un der quatschte und klöhnte bloß so rum,denn sachte Kuhle feierlich:„Also – du weeßt et nich!“
So nachn Essen, da rooch ick jernin Stillen meine Ssijarre.Da denk ick so, inwieso und wiefern,und wie se so looft, die Karre.Wer weeß det … Heute wähln wa noch rot,un morjen sind wa valleicht alle tot.Also ick ja nich, denkt jeda. Immahin …man denkt sich so manchet in seinen Sinn.Ick bin, ick werde, ick bin jewesen …Da haak nu so ville Biecher jelesen.Und da steht die Wissenschaft uff de Kommode …Wie wird det mit uns so nachn Tode?Die Kürche kommt jleich eilich jeloofn,da jibt et n Waschkorb voll Phillesophn …Det lies man. Un haste det hinta dir,dreihundert Pfund bedrucktet Papier,denn leechste die Weisenbeit alte Eisenun sachst dir wie Kuhle, innalich:Sie wissen et nich. Sie wissen et nich.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Weltbühne. Jahrgang 27, Nummer 35, Seite 347., Verlag der Weltbühne, Berlin, 1. September 1931
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Also wat nu – ja oder ja?“, Fassung 1.164.372 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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