Siebentes Fragment
Karl Streckfuß · 1778–1844
18 Zeilen · zuerst gedruckt 1804
Immer redet’ ich so, und Svada bewohnte die Lippen,Lächelnd hörte sie gern mir, die Schweigende, zu.Aber ihr Auge sprach — es sprach, der fest mich umschlungen,Oft ihr Arm, wenn er fester den Redner umschloß.Lange Küsse erregten noch höher die Gluth der Begeistrung,Bis Aurorens Glanz golden im Osten erschien,Da entzog sie mir schnell die zarten Arme, und eilte,Daß nicht verrathend der Tag sähe die Liebende fliehn.Aber oft noch rief mein Blick sie zurücke — sie folgte,Und noch oft verschloß sie die geöffnete Thür.Endlich zum Scheiden zwang, die schon sich erhellte, die Dämmrung,Und sie schlüpfte hinein in das heimatliche Haus.Sinnend weil’ ich nun, und rufe zurücke die Bilder,Die mir den Träumen gleich flohn in der seeligen Nacht.Aber dunkel nur ist mir die Erinnerung, führetMir nur verworrne Gestalt vor den ermatteten Blick,Denn die ruhigen Arme streckt mir der Schlummer entgegen —Gern ergeb’ ich mich dir, freundlicher, stärkender Gott.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 127–128, 1, J. V. Degen, Wien, 1804
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Siebentes Fragment“, Fassung 365.074 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Karl Streckfuß starb 1844; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1914 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117313165 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.