Morgengebet
Joseph von Eichendorff · 1788–1857
16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1834
O wunderbares, tiefes Schweigen,Wie einsam ist’s noch auf der Welt!Die Wälder nur sich leise neigen,Als ging’ der Herr durchs stille Feld.
Ich fühl’ mich recht wie neu geschaffen,Wo ist die Sorge nun und Noth?Was mich noch gestern wollt’ erschlaffen,Ich schäm’ mich deß im Morgenroth.
Die Welt mit ihrem Gram und GlückeWill ich, ein Pilger, frohbereitBetreten nur wie eine BrückeZu dir, Herr, übern Strom der Zeit.
Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd,Um schnöden Sold der Eitelkeit:Zerschlag’ mein Saitenspiel, und schauerndSchweig’ ich vor dir in Ewigkeit.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Deutscher Musenalmanach, 1. Auflage, Weidmannsche Buchhandlung, Leipzig, 1834
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Morgengebet (Eichendorff)“, Fassung 3.779.593 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joseph von Eichendorff starb 1857; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1927 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118529390 der Deutschen Nationalbibliothek.
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