Zimmermädchen
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
23 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1933
Die Zimmermädchen der Hotels,Die meine Betten schlagen und dann glätten,Ach wenn sie doch ein wenig Ahnung hättenVom Unterschiede zwischen Polster und Fels.
Ach wüßtet ihr, wie süß ihr für mich aussehtIm Arbeitskleid, ihr Engel der Hotels!
Wenn wirklich eine heimlich mit mir ausgeht,Dann trägt sie Seide und trägt sogar Pelz,Sei’s auch nur Wunderwandlung Hasenfells.
Dann im Café krümmt ihr beim TassehebenDen kleinen, roten Finger nach Manier.
Und du merkst nicht, wie gern ich doch mit dirNur eine Stunde möchte unmanierlich leben.Und würde dann – nebst Geld – als SouvenirEin schließend, stilles, zartes Streicheln geben.
Und würdet ihr des Streicheln doch nicht spüren.Denn ihr bedient nur Nummern an den Türen.
Und wenn sie schlichte Ehre eng verschließen,Dann dienen sie, da andere genießen.
Hab ich euch tausendmal in KorridorenHeiß zugesehn und heißer angesehn,Was ich erträumte, war voraus verloren.Denn meine Liebe könnt ihr nicht verstehn.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 23, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Zimmermädchen“, Fassung 3.778.559 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.