Zu einem Geschenk
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
30 Zeilen · zuerst gedruckt 1933
Ich wollte dir was dedizieren,Nein schenken; was nicht zuviel kostet.Aber was aus Blech ist, rostet,Und die Messinggegenstände oxydieren.Und was kosten soll es eben doch.Denn aus Mühe mach’ ich extra nochWas hinzu, auch kleine Witze.Wär’ bei dem, was ich besitze,Etwas Altertümliches dabei – –Doch was nützt dir eine Lanzenspitze!An dem Bierkrug sind die beidenLöwenköpfe schon entzwei.Und den Buddha mag ich selber leiden.Und du sammelst keine Schmetterlinge,Die mein Freund aus China mitgebracht.Nein – das Sofa und so große DingeKommen überhaupt nicht in Betracht.Außerdem gehören sie nicht mir.Ach, ich hab’ die ganze letzte NachtRumgegrübelt, was ich dirGeben könnte. Schlief deshalb nur eine,Allerhöchstens zwei von sieben Stunden,Und zum Schluß hab’ ich doch nur dies kleine,Lumpige, beschißne Ding gefunden.Aber gern hab’ ich für dich gewacht.Was ich nicht vermochte, tu du’s: Drücke duNun ein Auge zu.Und bedenke,Daß ich dir fünf Stunden Wache schenke.Laß mich auch in Zukunft nicht in Ruh.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 89–90, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Zu einem Geschenk“, Fassung 3.778.615 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.