Zum Aufstellen der Geräte
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
26 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1920
(Ein Muster)
So unterwegs in einem schönen HechtsprungErblickte er das Licht der Welt, das Leben,Und hat – obwohl er damals doch noch recht jung –Sich doch sofort in Hilfsstellung begeben.Den Kniesturz übend und manch andre Tugend,Verging ihm eine turnerische JugendIm Wachen teils und teils im TraumUnd Freitagnachmittags am Schwebebaum.
Vorturner wurde er und Löwenbändiger,Seemann und Schornsteinfeger, AkrobatUnd schließlich turnerischer SachverständigerIm transsibirischen Artistenrat.Er las die Morgenzeitung stets im Handstand,Vom Hang der Freiheit sprach sein roter Schlips.Er glich – wie er im Turnsaal an der Wand stand –Dem allbekannten Herkules aus Gips.
Inhaber aller silbernen Pokale,Erwarb er sich den FranziskanerpreisUnd im August in Halle an der SaaleDie Jahnkokarde mit dem Lorbeerreis.Ein zarter Kern in einer rauhen Schale.
Er hat sich mit einem Salto mortaleAus dem LebenÜber ein FelsengeländerHinwegbegeben.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Turngedichte, Kurt Wolff Verlag, München, 1920
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Zum Aufstellen der Geräte“, Fassung 3.779.367 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.