Steine am Meeresstrand
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
28 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1934
Steine schaumumtollt,Zornig ausgerolltÜber Steine. –Freiheit, die ich meine,Gibt es keine.
Stille nun. EntbrandetRuht ihr, feucht umsandet,Unzählbar gesellt,Von der Zeit geschliffenOder kampfentstellt. –Alle von der WeltLange rauh begriffen,Schweigt ihr. – Ihr begreift die Welt.
Wie ich euch sortiere,Spielerisch verführt:Früchte, Götzen, Tiere,Wie es Phantasie so legt,Habt ihr in mir aufgerührt,Was seit Kindheit mich bewegt.
Spitze, trübe, glatte, reine,Platte, freche, winzig kleine,Ausgehöhlte, fette Steine,Plumpe, schiefe, trotzig große –
Ja ihr predigt ernst wie froh,Meistens simpel, oft apart,Weit umgrenzte, willenloseFreiheit. – Predigt ebensoFromm wie hart.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute S. 81–82, Ernst Rowohlt, Berlin, 1934
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Steine am Meeresstrand“, Fassung 3.778.675 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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