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Versbuch

Stimmungen

Joachim Ringelnatz · 18831934

16 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1910

Machtlos, ein Grashalm, blick ich manchmal gen obenZu den Höhen der Menschheit und suche vergebensKlarheit in dem ewigen Brausen und TobenUnd den unbegreiflichen Kämpfen des Lebens.Neben mir raschelt der Tod, der lauernd und kaltUnter vermoderten Blättern grinst. – –Meiner Wünsche flehendes Lied verhalltIm Nebelgespinst.

Manchmal steh ich, ein Eichbaum, über der Erden,Blicke hinab auf die tausenden Ärmlichkeiten,Folge lächelnd dem endlosen Schwinden und WerdenUnd der winzigen Menschheit kleinlichem Streiten.Und dann ist mir, als ob ein kraftvoller TauMorgenkühl meine Adern durchdringt. – –Meine Hoffnung steigt froh ins Wolkenblau,Wo die Lerche singt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 6, 1. Auflage, Hans Sachs-Verlag Schmidt-Bertsch & Haist, München, Leipzig, 1910
Digitalisat
de.wikisource.org — „Stimmungen“, Fassung 2.533.337 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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