Die Zwei Polis
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
29 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Ich drehe aus der TikNiemandem einen Strick.Denn wir wollen freiSein in der Republik.
Und wie der Tik so auch der ZeiGeh ich am liebsten weit vorbei.Ich habe sie beide dick.
So werfe auch kein andrer solchen StrickMit der Tik mir ums Genick.Denn ich will von der Tik nichts verstehn.Und die Zei und alle ZeinKönnen mich – o nein! o nein! –Können mir auch aus dem Wege gehn.
Bei der Tik verlangt man KrummheitIm gegebenen Moment.Und die Zei wünscht füge Dummheit,Weil sie keinen Shakespeare kennt.
Und die Zei will meinen Willen.Meine Meinung will die Tik.Beide wünschen sie im stillenHypothek auf jedermanns Geschick.
Es muß doch Leute geben,Die ehrlich sein wolln,Und weil sie nur ihr Ausmaß leben,Darum auch freier sein solln.
Darum übe die Zei nicht an mir Kritik,Und die Tik möge es mir verzeihn,Wenn ich nochmals gestehe, daß ich jeden AugenblickMöglichst fern von beiden möchte sein.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 67–68, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Zwei Polis“, Fassung 3.581.270 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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