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Versbuch

Tierschutz-Worte

Joachim Ringelnatz · 18831934

28 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1928

Seien Sie nett zu den Pferden!Die Freiheit ist so ein köstliches Gut.Wie weh Gefangenschaft tut,Merken wir erst, wenn wir eingesperrt werden.

Seien Sie lieb zu den Hunden!Auch zu den scheinbar bösesten.Kein Mensch kann in Ihren schlimmen StundenSie so, wie ein Hund es kann, trösten.

Gehen Sie bei der WanzeAufs Ganze.Doch lassen Sie krabbeln, bohren und grabenGetier, das Ihnen gar nichts entstellt.

Alle Tiere habenAugen aus einer uns unbekannten Welt.

Kochen Sie die Forelle nichtVom Kaltwasser an lebendig!

Auch jeder Gegenstand hat sein Gesicht,Außen wie inwendig.Und nichts bleibt vergessen.

Die Ewigkeit, die UnendlichkeitHat noch kein Mensch ausgemessen,Aber der Weg dorthin ist nicht weit.

Suchen Sie jedwede KreaturIn ihr selbst zu begreifen.Jedes Tier gehorcht seinem Herrn.

Sich selber nurDürfen Sie – und sollen es gern –Grausam dressieren (die Eier schleifen).

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Allerdings, S. 37–38, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Tierschutz-Worte“, Fassung 3.026.757 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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