Immer wieder Fasching
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
29 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Wenn der Fasching kommt, wird viel verboten.Aber manches wird auch andrerseits erlaubt.Dann wird nicht nur Dienstboten,Nein auch Fürstenhäusern entstammtenDamen oder Frauen von BeamtenDie Unschuld geraubt.
Jeder läßt was springen.Viel ist los.Und vor allen DingenBeine und Popos.
Wenn sich Masken noch einmal verhüllenMit Phantastik, Seide, Samt und Tüllen,Zeigt sich sehr viel Fleisch und sehr viel Schoß.Daß wir, eh’ wir heimwärtsschwanken,Unsern steifen Hut zerknüllenIm Gedanken:Hätten wir die Hälfte bloß!
Also brechen wir auf!Ach nein, bleiben wir noch,Bis an ein Loch.Schließlich löst sich alles dochIn Papier auf.
Man vertrollt sich lärmlich,Wendet sich erbärmlich,Jedermann ein abgesetzter Held.
Draußen Sturm. Es hetzenÜber Dächer kalte WolkenfetzenUnterm Mond. Wir setzenUns ins Auto, fröstelnd vor dem letzten Geld.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 139–140, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Immer wieder Fasching“, Fassung 3.026.834 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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