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Versbuch

Stille Straße

Joachim Ringelnatz · 18831934

16 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1934

Nachts. – Straße. – Fragen Sie nicht wo und wann.Auch gleich vorausgesagt, daß nichts geschah. –Da stand ein unscheinbarer, älterer Mann,Der unverwandt nach einem Fenster sah.

Vielleicht war er – Ich hatte leider Zeit –Ein Lump, ein Trunkner oder ein Idiot –Doch es schlägt niemals eine MöglichkeitDie andre tot.

Wenn solch ein Anblick uns sechs-, siebenmalUm einen Häuserblock spazierentreibt,Zu sehen, wie der Mann dort stehenbleibt;Vielleicht sind wir dann nur sentimental.

Aber dem Einsamen ist Stilles nah,Wenn er das Laute nicht bezahlen kann. –

Da stand ein unscheinbarer, älterer Mann,Der unverwandt nach einem Fenster sah.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute S. 35–36, Ernst Rowohlt, Berlin, 1934
Digitalisat
de.wikisource.org — „Stille Straße“, Fassung 3.779.683 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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