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Versbuch

Kostümball-Gedanken 1928

Joachim Ringelnatz · 18831934

44 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1928

Es wechseln die Moden.Aber der HosenbodenSitzt sinngemäßImmer unterm Gesäß.

Mücken und MassenfischeSchwimmen ganz anders umeinand.Beine wissen sich unter dem TischeZu benehmen, niemals die Hand.

Keine Teile schaltenAus; ein jedes spielt Spiel.Strumpffalten zum Beispiel enthaltenAn Bedeutung viel.

Jedes tut, als ob wär.Scheinbar will niemand fischen.Diesmal ist viel RevolutionärUnd Junges dazwischen.

Stierkämpfer und Kuhfraun,Cowboys und Kurze Wichs.Die nur humorlos zuschaun,Sind nix.

Dünner Nepp oder Dick-Nepp –Wie man sich gegenwagt –Erzielt – wie man in Virginia sagt –Back-door-quick-step.

Rhythmus macht viel ... Auch Haare.Selten reißen gedachte Stellen entzwei.Leider ist alle JahreWieder die alte Ziege dabei.

Wärmend sind zwischendurch und durchSchnäpse und Sekte.Abkühlend wie ein Lurch oder SchirurchWirken Dialekte.

Bunt stimmt viel froherAls beispielsweise Grau.Aber viel sowiesoerReizt der Busen der Frau.

Schön ist stets das Originelle,Weil’s von Erfindung zeugt.Doch das paßt nicht: wenn eine SardelleVor dem Auerhahn ihr Knie beugt.

Das nächste Mal gedenke ichAls ganz Nackter mitzumachen.Und auch dies Kostüm verschenke ich.Nur damit die Leute lachen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Allerdings, S. 142–143, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Kostümball-Gedanken 1928“, Fassung 3.026.837 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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