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Versbuch

Rückkehr zweier Thüringer aus England

Joachim Ringelnatz · 18831934

44 Zeilen in 13 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Der Eine

Goodbye. I go,Anybody to irgendwo.Lebe wohl, du Land, das ich verehre!

On the pier winks no girl, no man.Oh, the Channel is larger thanMany many Meere.

Only altogether was to meThe only English friend.And it seems to beUnd muß wohl so sein:Unser Kontinent hat einen wärmeren Sonnenschein.

Dennoch komme ich aus guter Zeit.England was light and was polite.

England is a happy land,Und es braucht uns nicht,And it doesn’t understand,Was aus foreign Herzen sucht und spricht.

Wenn es wüßte!Das Schiff rollt. Es entschwindet die Küste.Ich fühle mich frei.England, goodbye!

Der Andere

Nun war ich drüben überm KanalIn London, fast eine Woche.Nun fahre ich nach Schnepfental.Für mich beginnt nun wieder einmalEine Epoche.

Muß ich auch für das letzte StückEinen Personenzug nehmen,Nur in der Ferne liegt das Glück,Durchaus nicht im Bequemen.

Anni ist Anni und immer ganz OhrFür Worte, wie ich sie wähle.Nun stelle ich mir in Gedanken vor,Wie ich ihr von London erzähle.

Ich habe studiert und photographiert –Die Bilder kann ich auch zeigen.Ich wollte nur, ich wäre blasiert.Dann könnte ich unterwegs schweigen.

So aber bin ich zu mitteilsam,Fast wie ein unmündiger Knabe.Es ist beschämend und doch sehr heilsam,Daß ich schreckliches Heimweh habe.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Rückkehr zweier Thüringer aus England“, Fassung 2.308.366 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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