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Versbuch

Paul Wegener

Joachim Ringelnatz · 18831934

44 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1928

Der Regen ist noch regener,Wenn er aufs Wasser niedergeht.

Gleich fest in jedem Wetter stehtEin großer Stein, Paul Wegener.

Nicht Edel-, Halb, noch Straßenstein,Vor allen Dingen und ganz gewißKein Similis.

Und nun bewegt sich und uns dieser Stein.Ein Schauspieler, der keinTheater spieltUnd nicht schielt.Ein Hagen von Tronje, ein Zotteltier,Ein rührender Alter, ein Kavalier.

Und hinter den KulissenEin fröhliches Gewissen,Ein anständiger Kamerad.

Und daheim, am Karlsbad,Im Kreise seiner geschiedenen Frau’n,Die alle ihm bleiben und ihm vertrau’n,Neben seiner noch nicht geschiedenen,Zusammen mit lauter zufriedenenKindern und Freunden vor einem Kapaun.

Und drum rumBilder und Buddhas schön und stumm,Die er schätzt und uns nennt,Und deren Seele er kennt.

Als ich im Filmatelier bei ihm war,Stand er mit violettem HaarZwischen phantastischem Alldingsgewirr,Riß aus dem Tisch ein BeinUnd – bums klirr –Schlug er damit in ein Fenster hinein.Das mußte so – so mußte es sein.

Und dann spät nachts,Da er müde müßte sein – –Nein! – –Ging er noch weiter,Tanzte, trank WeinBis in die helle StundeWeitarmig und heiter,Mit guten und bösen Geistern im Bunde.Ein lebendiger Roland aus Stein,Der, was er liebt,Gern, groß und ehrlich gibt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Allerdings, S. 152–153, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Paul Wegener“, Fassung 3.026.832 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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