Frankfurt am Main
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
18 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)
Und vieles andere: Applaus und Wein,Freunde und Freiheit, wie es immer hieß.Am schönsten aber, wenn ich ganz alleinIn einem Winkel, der die Grüße mied,Das taumelnd Aufgewirbelte sich setzen ließUnd ruhig Täuschendes vom Echten schied.Dann gingen Gott und Teufel durch die Wände;Dann sah ich Schiffe im Polar vereistUnd sah im Waschfaß deine fleiß’gen Hände.Und ob mitunter läppisch oder feistDie Nachbarschaft mich störte oder stank,Was ich errechnete, war immer DankNebst einer Rechnung über Apfelwein. –
Um diesen Winkel, diese Stunde –So zwischen Tageslicht und Bühnenlicht –Mag, so wie andres anderswo, Frankfurt am MainUm mich gewesen sein,Das weiß ich nicht.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S. 22, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Frankfurt am Main (Ringelnatz)“, Fassung 1.023.747 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.