Ein ehemaliger Matrose fliegt
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
25 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1933
Ich bin einst in SeemannsjahrenOft elbauf, elbab gefahren.Auf der Seite, wo wir dann Stadt AltonaSichteten, stand ich an Deck und sah.
Sah ein Haus. Vom Schornsteinruß geschminktKiekt es luftig nach der Elbe hin.Und ich wußte: Meta wohnt darin.Wenn ich dort vorbeigefahren bin,Hat sie mir und hab ich ihr gewinkt.Ein Signal „Ich liebe dich“.Und ich sah sie, und sie auch sah mich.
Heute flog ich über das vertrauteAltona. Hab nicht das Haus entdeckt.Doch ich hab die Hand hinausgestreckt,Hab gewinkt, wie ich es einst getan.Und ich wußte: Meta schaute,Winkte auf nach meinem WolkenkahnOder, wie sie`s nennen, „Aeroplan“.
Wenn man sich auch sonst von nah,Teufel eins, viel lieber sah,Dacht ich doch verliebt und bangOben dort im Wolkenhang:
Wenn ich jetzt hinunterstürze,Fängt mich Meta in der SchürzeAuf.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 63–64, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ein ehemaliger Matrose fliegt“, Fassung 3.778.710 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.