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Versbuch

Der Sänger

Joachim Ringelnatz · 18831934

24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Vor dem Debut soupierend saß,Bei einer Frau, der Sänger.Sie staunte über seinen FraßUnd wurde immer länger.

Der Sänger auf die Bühne trat,Schlicht, ohne sich zu rühmen.Ein Hauch von Bier und FleischsalatVerlor sich in Parfümen.

Der Sänger sang das hohe C.Der Beifall wuchs und tobte.Die Dame in der Loge BStand auf und garderobte.

Der Sänger stürzte aus dem HausIn den verschneiten Garten.Die Dame folgte, einen StraußAuspackend, voll Erwarten.

Der Sänger lüpfte seinen FrackUnd duckte sich im Garten.Es klang wie „Schlacht am Skagerrak“.Die Dame mußte warten.

Vom langen Stehn im nassen SchneeHolt man sich Rheumatismus. –Der Sänger mit dem hohen CKennt seinen Mechanismus.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Sänger (Ringelnatz)“, Fassung 3.780.805 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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