Der wilde Mann von Feldafing
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
28 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Er schien zum Kriegsmann geboren.Er trug nach allen Seiten hin Bart.Selbst seine Beine waren behaartUnd steckten in Stiefeln mit Sporen.Und trutzig über der Schulter hingIhm ein gewichtig Gewehr.Mit gerunzelter Stirne gingEr auf dem Bahnhof von FeldafingHin und her.Und stehend, stolz und schulterbreitFuhr er dann zwei Stationen weit.Die Kinder bestaunten ihn sehr.Doch ehe noch ein Tag verging,Schritt er schon wieder durch FeldafingMit einem Rucksack schwer.Doch weil es so stark regnete,Daß niemand ihm begegnete,Ärgerte er sich sehr.Als er durch seinen Garten schritt,Sang dort ein Vögelchen Kiwitt,Da griff er zum Gewehr:Puff!!!
Ein kurzes Röchelchen –Ein kleines Löchelchen –Dann eine Katze – und etwas später:Ein kleines KnöchelchenUnd eine Feder. –
Der wilde Mann von Feldafing.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 15–16, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der wilde Mann von Feldafing“, Fassung 3.466.991 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.