Die Strömung
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
24 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)
Die Strömung strömte Süd-Nord-WestUnd bog sich dann im Bogen.In ihrer Mitte kam ein RestVon einem Boot gezogen.
Dann kam ein Wasserleichelchen;Es war von außen offenbarNoch ziemlich frisch.Dahinter trieb ein Speichelchen,Das abgesondert warVon einem Fisch.
Dem folgte sehr viel KohlendreckDas Wasser wurde trüber.Dann gondelte verdorbener SpeckFischunterzupft vorüber.
Dann trieb ein Balken stumpf vorbei,Dann nichts, dann ein Stück Dichtung,Ein Flaschenkork und andrerlei, –Alles in gleicher Richtung.
Dann kam ein Rest von einem Boot.Ihm folgte eine gelbeChinesenleiche, stark zersetzt.Und alles, was ich sah, war tot,War unbedeutend und zuletztIm Grunde stets dasselbe.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S. 45, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Strömung“, Fassung 3.577.893 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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