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Versbuch

Der Mut der reifen Jugend

Joachim Ringelnatz · 18831934

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1928

Mut zeigt sich immer erst vor Übermacht.Mut muß mit Kenntnis der Gefahr gepaart sein.Mut will wie Edelstes diskret verwahrt sein.Und wer ihn faßt, der fasse mit Bedacht.

Hab’ Mut! Jedoch nicht, um ihn zu beweisen.Schick deinen Mut niemals auf Reisen.Man kann mit Kühnheit, doch mit Mut nie scherzen,Denn der, der Mut zeigt, hat auch Furcht im Herzen.

Soll reife Jugend weise, überlegen,Maßvoll, gelehrt und unpolitisch sein??Darf sie verdreht und zukunftsblind verwegenVergnügen saufen?? – Ja! und so auch: Nein!

Ich weiß darüber keine Regel,Weiß nur, wie stets das Schicksal das entschied.Doch zwischen freiem Bursch und blödem FlegelSieht nur ein Schwachkopf keinen Unterschied.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Allerdings, S. 69, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Mut der reifen Jugend“, Fassung 3.436.791 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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