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Versbuch

Der große Christoph

Joachim Ringelnatz · 18831934

22 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1929

DER GROSSE CHRISTOPH

Wer Rigas Hafen kennt,Kennt auch das Holzmonument,Das man den großen Christoph nennt.

Der Heilige mit seinem Wanderstabe.Auf seiner Schulter sitzt der Jesusknabe.Den hat er, wie die Leute dort sagen,Durch die Düna getragen.

Die Flößer und die Schiffersleute schenkenIhm Blumen, Bänder hin und andrerleiUnd bitten frömmig ihn dabei,Er möge dies und das zum Guten lenken.Es kommen viele Leute so und gehn.

Der Christoph trägt um seine LendenEin Hemd, vier Hemden, manchmal zehn,So je nachdem, was sie ihm spendenUnd andermal auch wieder stehlen.

Er trägt und gibt das Gerngewollte.Und Christus schweigt; er ist ja noch so klein,Und beide lächeln ob der simplen Seelen.Und wenn sie wirklich etwas wurmen sollte,Dann kann das nur ein Holzwurm sein.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der große Christoph“, Fassung 3.780.045 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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