Im Zimmer wird es langsam dunkel
Lili Grün · 1904–1942
30 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1934
Komm, bleib’ auf dem Sofa liegen!Woll’n uns aneinanderschmiegen,Du bist groß und ich bin klein,Laß’ uns bißchen kitschig sein.
Draußen — weißt du — ist das „Leben“:Alltagssorgen,Heute — Morgen — UebermorgenSchulden zahlen — Schulden machen,Industrien und Banken krachen.Laß den Unsinn draußen sein,Wir sind hier — wir sind allein.
Weißt du, wir sind kleine Kinder,Haben uns im Wald verirrt.Schmiegen wir uns aneinander,Weil es kalt und dunkel wird.Und die böse, böse Hexe,Schrecklich drohend, furchtbar, schaurigErnst, mein Freund, ich bin so traurig —Ich bin klein und schrecklich dummErnst, nicht wahr, du bringst sie um?
Du hast einen großen TeppichUnd wir setzen uns darauf,Fliegen rasch zur Sonne auf,Haben dort ein RendezvousUnd sind auch gleich auf Du und Du …
Komm, bleib auf dem Sofa liegen,Glaube mir, wir haben Zeit.Du bist groß und ich bin klein.Wenn wir weggeh’n aus dem Zimmer,Müssen wir erwachsen sein. lili
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Prager Montagsblatt, 57. Jg., Nr. 37, 10. September 1934, S. 7, Prag, 1934
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Im Zimmer wird es langsam dunkel“, Fassung 4.164.196 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Lili Grün starb 1942; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2012 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 126449090 der Deutschen Nationalbibliothek.
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