Der Revoluzzer
Erich Mühsam · 1878–1934
33 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1914
Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet
War einmal ein Revoluzzer,Im Zivilstand Lampenputzer;Ging im RevoluzzerschrittMit den Revoluzzern mit.
Und er schrie: „Ich revolüzze!“Und die RevoluzzermützeSchob er auf das linke Ohr,Kam sich höchst gefährlich vor.
Doch die Revoluzzer schrittenMitten in der Straßen Mitten,Wo er sonsten unverdrutztAlle Gaslaternen putzt.
Sie vom Boden zu entfernen,rupfte man die GaslaternenAus dem Straßenpflaster aus,Zwecks des Barrikadenbaus.
Aber unser RevoluzzerSchrie: „Ich bin der LampenputzerDieses guten Leuchtelichts.Bitte, bitte, tut ihm nichts!
Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,Kann kein Bürger nichts mehr sehen,Laßt die Lampen stehn, ich bitt!Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!“
Doch die Revoluzzer lachten,Und die Gaslaternen krachten,Und der Lampenputzer schlichFort und weinte bitterlich.
Dann ist er zuhaus gebliebenUnd hat dort ein Buch geschrieben:Nämlich, wie man revoluzztUnd dabei doch Lampen putzt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Wüste, Krater, Wolken. Die Gedichte von Erich Mühsam. S. 103–104, 1. Auflage, Paul Cassirer, Berlin, 1914
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Revoluzzer“, Fassung 3.791.152 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Erich Mühsam starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118584758 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.