Der Jüngling in der Landschaft
Hugo von Hofmannsthal · 1874–1929
22 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1922
Die Gärtner legten ihre Beete frei,Und viele Bettler waren überallMit schwarzverbundnen Augen und mit Krücken –Doch auch mit Harfen und den neuen Blumen,Dem starken Duft der schwachen Frühlingsblumen.
Die nackten Bäume ließen alles frei:Man sah den Fluß hinab und sah den Markt,Und viele Kinder spielten längs den Teichen.Durch diese Landschaft ging er langsam hinUnd fühlte ihre Macht und wußte – daßAuf ihn die Weltgeschicke sich bezogen.
Auf jene fremden Kinder ging er zuUnd war bereit, an unbekannter SchwelleEin neues Leben dienend hinzubringen.Ihm fiel nicht ein, den Reichtum seiner Seele,Die frühern Wege und ErinnerungVerschlungner Finger und getauschter SeelenFür mehr als nichtigen Besitz zu achten.
Der Duft der Blumen redete ihm nurVon fremder Schönheit – und die neue LuftNahm er stillatmend ein, doch ohne Sehnsucht:Nur daß er dienen durfte, freute ihn.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 42, Insel Verlag, Leipzig, 1922
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Jüngling in der Landschaft“, Fassung 3.434.551 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Hugo von Hofmannsthal starb 1929; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1999 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118552759 der Deutschen Nationalbibliothek.
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