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Versbuch

Verse auf ein kleines Kind

Hugo von Hofmannsthal · 18741929

25 Zeilen · zuerst gedruckt 1922

Dir wachsen die rosigen Füße,Die Sonnenländer zu suchen:Die Sonnenländer sind offen!An schweigenden Wipfeln blieb dortDie Luft der Jahrtausende hangen,Die unerschöpflichen MeereSind immer noch, immer noch da.Am Rande des ewigen WaldesWillst du aus der hölzernen SchaleDie Milch mit der Unke dann teilen?Das wird eine fröhliche Mahlzeit,Fast fallen die Sterne hinein!Am Rande des ewigen MeeresSchnell findest du einen Gespielen:Den freundlichen guten Delphin.Er springt dir ans Trockne entgegen,Und bleibt er auch manchmal aus,So stillen die ewigen WindeDir bald die aufquellenden Tränen.Es sind in den SonnenländernDie alten, erhabenen ZeitenFür immer noch, immer noch da!Die Sonne mit heimlicher Kraft,Sie formt dir die rosigen Füße,Ihr ewiges Land zu betreten.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 46, Insel Verlag, Leipzig, 1922
Digitalisat
de.wikisource.org — „Verse auf ein kleines Kind“, Fassung 3.026.756 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Hugo von Hofmannsthal starb 1929; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1999 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118552759 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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