Zum Inhalt springen
Versbuch

Der Schiffskoch, ein Gefangener, singt

Hugo von Hofmannsthal · 18741929

22 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1922

DER SCHIFFSKOCH,EIN GEFANGENER, SINGT:

Weh, geschieden von den Meinigen,Lieg ich hier seit vielen Wochen;Ach und denen, die mich peinigen,Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen.

Schöne purpurflossige Fische,Die sie mir lebendig brachten,Schauen aus gebrochenen Augen,Sanfte Tiere muß ich schlachten.

Stille Tiere muß ich schlachten,Schöne Früchte muß ich schälenUnd für sie, die mich verachten,Feurige Gewürze wählen.

Und wie ich gebeugt beim Licht inSüß- und scharfen Düften wühle,Steigen auf ins Herz der FreiheitUngeheuere Gefühle!

Weh, geschieden von den Meinigen,Lieg ich hier seit wieviel Wochen!Ach und denen, die mich peinigen,Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 43, Insel Verlag, Leipzig, 1922
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Schiffskoch, ein Gefangener, singt“, Fassung 3.443.522 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Hugo von Hofmannsthal starb 1929; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1999 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118552759 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Hugo von Hofmannsthal

Alle Gedichte von Hugo von Hofmannsthal ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.