Geliebter Freund
Lili Grün · 1904–1942
22 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1929
Du hast mir nun geschriebenUnd hast gefragt wie es mir gehtUnd was mit Arbeit ist und GeldverdienenUnd wie’s im Allgemeinen um mich steht.
Du schreibst, ganz ohne Groll und Hader,Was du mir angetan, es soll vergeben seinUnd all mein Schmerz und meine bittren TränenIn Gottes Namen willst du dir verzeihen.
Du wohnst bei deinem Schwiegervater,Er nahm dich gerne auf in Kost und in Quartier …Ich find’ die Sache ja ein bißchen schäbig,Nicht einen Pfennig Mitgift gab er ihr.
Zum Schluß meinst du, ich soll dir Antwort schreiben,Natürlich nur in dein Geschäft,Denn deine junge Frau, sie könnte drunter leidenUnd wenn sie meinen Brief erwischt,Dann ging’s dir schlecht.
Geliebter Freund, ich hab’ dir nichts zu sagen:Denn du bist fremd und fern und alles ist vorbei.Ich hab’ dich sehr geliebt … es ist vorüber,Ich sprech’ nicht gern davon … kurz: Schwamm darüber!
Lili Grün.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Tempo, 1. November 1929, S. 6, Ullstein, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Geliebter Freund“, Fassung 4.165.037 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Lili Grün starb 1942; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2012 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 126449090 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.