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Versbuch

... Der für die Menschheit starb

Erich Mühsam · 18781934

29 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1920

Dezember 1916

Soll niemals denn der stille Sterndes Friedens wieder leuchten,wo alle Menschen doch so gerndas Dunstgewölk verscheuchten?Soll immer denn der blutige Stromdas Glück der Welt verheeren?Steht nirgendwo ein Gottesdom,der Todesflut zu wehren?Starb nicht dereinst am Kreuz ein Mann,die Menschheit vom Bösen,von Neid und Haß und Teufelsbannfür immer zu erlösen? –O Jesus, hör! Die Menschheit weintund fleht um deinen Segen.Barhäuptig neigen Freund und Feindsich dir auf allen Wegen.Tönt Antwort von dem Kruzifix?Mir scheint, das Bild hat Leben.Die Augen seh ich zornigen Blickssich übers Land erheben ...Schweigt! Eure Demut ist zu klug!Ich helfe nicht zum Siege.Was schert’s mich, wer mit Lug und Truggewinn’ und unterliege?Der für die Menschheit starb, bereut’s!Spart euch Gebet und Klage!Schlagt ihr doch euern Gott ans Kreuzmit jedem neuen Tage!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Brennende Erde. Verse eines Kämpfers, S. 48, Kurt Wolff Verlag, München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „... der für die Menschheit starb“, Fassung 3.778.765 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Erich Mühsam starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118584758 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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