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Versbuch

Waldtragödie

Heinrich Kämpchen · 18471912

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909

Die Mondessichel blinkt im letzten Strahl,Da zieht ein Rudel Hirsche durch das TalDem Walde zu, mit wachsamer Geberde,Ein Vierzehnender hat die Hut der Herde. –

Jetzt stutzt der Hirsch – und sichert scharf und lang’Zum dunklen Dickicht an dem Bergeshang –Es ist der Paß – er muß ihn überschreiten,Das Rudel wieder in den Wald zu leiten. –

Die liebste Hinde schoß man dort ihm totVor Jahresfrist beim ersten Morgenrot –So mußte sie ihr frühes Ende finden,Noch kann’s der stolze Recke nicht verwinden. –

Und wieder stutzt der Hirsch – und dann ein SatzUnd Blitz und Knall – gesäubert ist der Platz –Das ganze Rudel ist versprengt, zerstoben,Nur er, der Stolze, hat sich nicht erhoben. –

Vor’m Jahr ward hier die Hinde sein gefällt,Nun hat die Kugel ihm das Herz zerspelt –Was schleicht heran dort, wie ein grauer Schatten?Der Wildschütz ist’s – die Jagd ging gut von statten.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Was die Ruhr mir sang, S. 35, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
Digitalisat
de.wikisource.org — „Waldtragödie (Kämpchen)“, Fassung 1.228.514 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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