Stallknecht und Viehmagd
Frank Wedekind · 1864–1918
29 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Carmen bucolicon
Die Bärin wohnt im tiefen Walde,Im tiefen Wald wohnt auch der Bär,Und an demselben Aufenthalte,Da wohnen Bären bald noch mehr.
Und im Olymp, da wohnen Götter,Darunter Venus und Apoll;Dort hat man ewig schönes WetterUnd jeder Gott ist liebevoll.
Auf ödem Felde schafft die Viehmagd,Tut ob der Arbeit manchen Schrei,Jedoch Cupido, der sich nie plagt,Sitzt schelmisch lächelnd nebenbei.
Nun kommt der Stallknecht mit den KühenAuch Ochsen ziehen an dem Pflug,Doch muß er selbst das meiste ziehen,Dann geht es eben schnell genug.
Da duckt sich Amor listig nieder,Er legt den Bogen an mit LustUnd schießt die Viehmagd durch das MiederIn ihre ahnungslose Brust.
Der Stallknecht kommt herbeigesprungen,Auf daß er rasch ihr Hilfe bringt;Doch Amor trifft den guten Jungen,Daß er mit ihr zu Boden sinkt.
Da liegen Stallknecht nun und ViehmagdUnd schauen sich verwundert an,Und sie vollbringen, was man nie sagtDoch was man leicht erraten kann.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Stallknecht und Viehmagd“, Fassung 3.779.412 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.
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